10. Mai 2023 – Kommunikation | Mediengestaltung | Print | Prozessoptimierung

Rebranding der Schweizerischen Post – schweizerisch, praktisch, gut

 

Zeit für eine kleine Auseinandersetzung mit dem Schweizerkreuz. Anlass dafür ist die neue Brand Identity der Schweizerischen Post, welche zum 175-Jahre-Jubiläum entwickelt wurde. Das Post-Logo kennen alle, es ist stark mit Tradition und Heimatgefühl verbunden, und so löst der neue Auftritt einige Debatten aus.

 

 

Zu viele Varianten, zu wenig Übersicht

Warum entschied sich die Post denn überhaupt für ein Rebranding? Das neue Logo-Design zieht ja einen enormen Aufwand nach sich – man denke, was es bei einem Unternehmen in dieser Grösse alles braucht, bis auch der letzte Briefkasten und das letzte Gefährt neu beschriftet sind!

Aber es gibt doch einige gute Gründe: Gemäss der Agentur führten zu viele Sprach- und Farbausführungen zu Inkonsistenz und Schwierigkeiten in der digitalen Umsetzung. Sie beeinträchtigten somit einen einheitlichen Markenauftritt der Post. Darum setzte man auf Einfachheit: Das neue Logo besteht aus «einem stilisierten roten Schweizerkreuz, begleitet von einem prägnanten schwarzen P auf postgelbem Hintergrund». Dieses funktioniert für alle Sprachregionen und auch in den digitalen Anwendungen.

Auf den ersten Blick erscheint das Logo nicht weltbewegend anders oder neu. Die Farbgebung wurde beibehalten. Aber die Einfachheit, das Auskommen ohne Text, ermöglicht auf allen Ebenen viel mehr Flexibilität – und auch mehr Effizienz.

Es wurde also reduziert, wo es möglich war, es bleibt nur das Wichtigste: die Farbe Gelb, ein P – und das rote Schweizerkreuz.

 

Viele Vorteile – und ein Nachteil

Bei so viel Reduktion in der Form gibt es einen Nachteil: das Risiko, dass auch andere schon ähnliche Ideen gehabt haben. So sehen einige Leute eine grosse Ähnlichkeit mit dem Logo eines grossen Zentralschweizer Unternehmens. Trotzdem finde ich nicht, dass man der Agentur vorwerfen kann, sie habe einfach Ideen kopiert. Ich denke, es ist schlicht und einfach Zufall.

Natürlich gehört es beim Gestaltungsprozess dazu, zu recherchieren. Aber hier muss man einen bestimmten Radius abstecken und sich auf die relevanten Kreise beschränken. Zum Beispiel innerhalb einer Branche bzw. eines Marktumfelds. Oder es gilt geografische und sprachliche Grenzen zu ziehen.

In der Logistik- und Versandbranche ist und bleibt der Auftritt der Post einzigartig und unverwechselbar. Das genügt, finde ich. Das Brand-Design beschränkt sich ja nicht nur auf die Form, sondern wirkt sehr stark auch über die Farbe. Und dieses Gelb, das von der Post markenrechtlich geschützt ist, ist sicher das stärkste Merkmal des Post-Auftritts und wird es vermutlich für alle Zeiten bleiben.

Es kommt vor – nicht nur in der Gestaltung, sondern zum Beispiel auch in der Musikbranche –, dass es irgendwo etwas sehr Ähnliches schon gibt. Tatsächlich durfte ich vor ein paar Jahren ein Logo für eine kleinere Firma entwerfen und habe später festgestellt, dass Mozilla Firefox mir die Idee abgekupfert hat …


Wo ist überhaupt das Schweizerkreuz erlaubt?

Swissness im Markenauftritt und in der Werbung zu zeigen, schafft eindeutige Vorteile. Schweizer Produkte und Dienstleistungen stehen für Qualität und haben einen sehr guten Ruf. Seit Januar 2017 ist die Neuregelung für die Verwendung der Herkunftsangabe «Schweiz» und des Schweizerkreuzes für Unternehmen in Kraft. Es ist seitdem erlaubt, das Schweizer Kreuz auch auf einem Produkt zu verwenden. Bis dahin war es nur für Dienstleistungen erlaubt. Ebenfalls darf mit Begriffen wie «Made in Switzerland», «Swiss Quality» sowie Bildzeichen wie dem Matterhorn, Wilhelm Tell oder der Helvetia geworben werden. Sofern die Waren oder Dienstleistungen tatsächlich aus der Schweiz stammen.

Weitere Informationen dazu liefert das KMU-Portal des Seco sowie das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum

 

Und wo nicht?

Anders ist es beim Wappen der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Dieses ist «Ausdruck der staatlichen Macht und Würde» und somit ein geschütztes öffentliches Zeichen. Es ist ausschliesslich dem Gebrauch der Eidgenossenschaft vorbehalten.
 
Quellen: www.werbewoche.ch, www.post.ch
 

 

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1 Kommentare

Beat Schlumpf 20.06.2024 - 14:11 Uhr

Natürlich wurde das Logo kopiert und von Zufall kann keine Rede sein. Was ebenfalls vergessen geht, ist die Tatsache, dass die Post Geld sparen will. Ein Logo in 3 Landessprachen kostet einfach mehr Geld als nur noch 1 Logo.


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