19. Mai 2019 – Print

Über Papiertypen

und die passende Erzeugung der Druckdaten

 

Im Bogenoffsetdruck unterscheiden wir grundsätzlich zwei Papiertypen. Je nach verwendetem Papiertyp müssen wir im Druckprozess mit den passenden Produktionsparametern arbeiten, damit die Farbwiedergabe korrekt ist. Um böse Überraschungen auf dem Druckbogen zu vermeiden, ist es ebenfalls entscheidend, dass schon bei Layout und Bildaufbereitung mit den richtigen Einstellungen gearbeitet wird.

 

In der ISO-Norm für den Bogenoffsetdruck wird zwischen gestrichenen und ungestrichenen Papieren unterschieden, für die jeweils ein passendes Farbprofil existiert. Aber was ist konkret der Unterschied? Und wie sollen die Druckdaten aufbereitet werden?

 

Gestrichene Papiere («Coated»)

Gestrichene Papiere zeichnen sich durch eine glatte, «geschlossene» Oberfläche aus und werden oft für Zeitschriften verwendet. Die glatte Oberfläche wird durch das Auftragen von Bindemitteln auf die Papieroberfläche erreicht. Da die Druckfarbe dadurch nur wenig in das Papier eindringt, sind auf gestrichenen Papieren brillantere Drucke mit grösserem Farbumfang möglich als auf ungestrichenen Papieren. Im Vergleich zu den meisten ungestrichenen Papieren sind sie nicht so stark aufgehellt.

Das aktuell gültige, von den Normierungsgremien bereitgestellte Farbprofil für diesen Papiertyp ist «PSOcoated_v3.icc». Dieses löste 2015 die «ISO Coated v2»-Profile ab.

Ungestrichene Papiere («Uncoated»)

Oft auch als «Naturpapier» oder «Offsetpapier» bezeichnet. Ungestrichene Papiere sind offenporig und haben eine matte Oberfläche. Aufgrund der angenehmen Haptik und der hohen Weisse sind diese Papiere sehr beliebt. Durch die offenliegenden Papierfasern verhält sich das Papier wie ein mikroskopisch kleiner Schwamm und nimmt so die Druckfarben stärker in sich auf. Das Druckbild ist weniger brillant als auf gestrichenen Papieren und der druckbare Farbumfang deutlich kleiner. Diese Papiere haben normalerweise einen relativ hohen Anteil an optischen Aufhellern. Dies sind Chemikalien, welche das Papier «weisser» erscheinen lassen.

Das aktuell gültige, von den Normierungsgremien bereitgestellte Farbprofil für diesen Papiertyp ist «PSOuncoated_v3_FOGRA52.icc». Dieses löste 2015 das «PSO Uncoated ISO12647 (ECI)»-Profil ab.

Angesichts der enormen Bandbreite von Papiervarianten und -tönen mag es wie ein Witz erscheinen, diese auf zwei Prozessvarianten eindampfen zu wollen. Aber für eine Normierung muss nun mal von einem Durchschnittspapier ausgegangen werden. In der Praxis hat sich aber erwiesen, dass diese Normierung durchaus tauglich ist und beim Kunden wie auch bei uns auf produzierender Seite für Sicherheit sorgt.

Was ist der Unterschied zwischen den Farbprofilen?

Die beiden Farbprofile sind optimal auf die jeweiligen spektralen Eigenschaften der Papiertypen abgestimmt und berücksichtigen die unterschiedliche «Weisse» der Papiere beziehungweise deren Anteil an optischen Aufhellern. Gestrichene und ungestrichene Papiere unterscheiden sich im Druck auch von der Punktzunahme her. Dies wird beim Einsatz des richtigen Profils bei der Konvertierung entprechend kompensiert.

Was ist bei der Datenerzeugung zu beachten?

In der Praxis zeigt sich oft, dass die Druck-PDFs mit Profilen für gestrichene Papiere erstellt werden, egal welcher Papiertyp wirklich gedruckt wird. Werden solche Daten auf ungestrichene Papiere gedruckt, kann dies (neben möglichen Farbabweichungen) zu einem dunkleren Druckbild führen, als es die Voransicht auf dem Bildschirm suggeriert hat. Grund dafür ist die oben erwähnte offene Struktur der Papieroberfläche und dadurch eine höhere Punktzunahme im Druck.

Color Management richtig einstellen und anwenden

Basis für eine korrekte Farbwiedergabe ist die richtige Einstellung des Color Management der Layoutprogramme. Alle nötigen Hilfsmittel stehen bei PDFX-ready zum Download bereit. Nutzen Sie diese Hilfestellungen, denn mit einer einheitlichen Arbeitsweise ist allen geholfen!

Dokument richtig aufbauen

Nachdem das Color Management für den gewünschten Papiertyp aktiviert ist, gehts an den Dokumenten-Aufbau in InDesign. Stand heute ist es «Best Practice», Texte, Rasterflächen und Grafiken in CMYK aufzubauen, da bei diesen Elementen meist keine Konvertierung erwünscht ist und die reinen Farben erhalten werden sollen.

Anders sieht es bei Bildern aus: Wenn wir die Bilder im RGB-Farbraum in InDesign importieren, haben wir bis zuletzt die Flexibilität, den Papiertyp noch zu ändern. Erst beim PDF-Export werden die RGB-Bilder in den angegebenen Zielfarbraum (Papiertyp) konvertiert. Hier ist es wichtig, dass die RGB-Bilder mit ihrem Ursprungsprofil importiert werden.

PDF/X exportieren

Wir empfehlen, aus InDesign ein PDF/X-4 in CMYK zu exportieren. Damit unsere (RGB-)Bilder korrekt nach CMYK konvertiert werden, verwenden wir wieder eine Einstellungsdatei von PDFX-ready.

Download von Anleitung und Exporteinstellung:
(unter «Export von PDF/X-4 CMYK aus Adobe InDesign und Illustrator»)

Jetzt downloaden

PDF/X kontrollieren

Es epfiehlt sich, jedes erzeugte PDF vor der Übermittlung noch gründlich zu kontrollieren, einerseits visuell, andererseits mit einem Prüfprofil in Acrobat. Oft werden bei dieser Kontrolle noch versteckte Fehler in der Datei aufgedeckt.

Download von Anleitung und Prüfprofil:
(unter «Preflight-Profile für Adobe Acrobat»)

Jetzt downloaden

Fazit

Die Themen Color Management und PDF-Erzeugung sind in diesem Blog nicht neu – wir haben schon mehrfach darüber geschrieben, zum Beispiel hier oder hier. In der Praxis zeigt sich bei vielen angelieferten PDFs aber, dass hier nach wie vor viel Aufklärungsbedarf besteht. Wir prüfen jedes angelieferte PDF und bemühen uns um bestmögliche Umsetzung im Druck. Standardkonforme Druckdaten helfen uns aber, immer das Optimum zu erzielen.

 

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Tobias Röllin

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