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Tobias Röllin
Technopolygraf
 
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12.12.2018

Kategorie: Design & Interactive


Was Schrift leisten kann

 

Ein interdisziplinäres Team aus Gestaltern und Verhaltensforschern hat an der RMIT University in Melbourne eine Schrift entwickelt, die das Memorieren von Informationen unterstützen soll. Unter Anwendung von Prinzipien aus der Psychologie wurde ein Schriftbild entwickelt, das speziell zum Lernen geeignet ist. 

 

 

 

 

 

Seit der Erfindung der beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg war die Darstellung von Schrift stets von den technischen und gestalterischen Möglichkeiten abhängig. Die Lesbarkeit ist oberstes Gebot bei Schriftdesignern und den Gestaltern. Schrift konnte immer schärfer, kontrastreicher und «gleichförmiger» dargestellt werden. Dieser Trend setzt sich bis heute fort, vor allem in Anbetracht von Bildschirmtechnologien, die mit ihrer Auflösung schon nah am bedruckten Papier sind.

 

 

Die Wissenschafter am RMIT haben aufgezeigt, dass die heutige Art, wie Schrift dargestellt wird – insbesondere die klare, ausgeglichene Typografie, wie sie in modernen Druckprodukten und digitalen Ausgaben verwendet wird –, nicht optimal ist für das Lernen und Behalten von Informationen. Wir kennen es alle: Ein Text ist schnell überflogen – aber was bleibt davon wirklich hängen?

 

Die neue Schrift mit dem schönen Namen «Sans Forgetica» soll diesem Problem abhelfen: Durch absichtliche «Brüche» in den Buchstabenformen und eine leichte Rücklage der Buchstaben wird der Leser gezwungen, die Aufmerksamkeit stärker auf das Gelesene zu fokussieren. Das spezielle Aussehen der Schrift bringt den Leser dazu, länger bei jedem Wort zu verweilen, und gibt so dem Gehirn mehr Zeit für den kognitiven Lernprozess. Tests mit «Sans Forgetica» haben klar gezeigt, dass so gelesene Informationen besser im Gedächtnis bleiben.

 

 

Es ist nicht im Sinne der Schriftentwickler, dass mit der Schrift ganze Texte gelesen werden – sie soll eher als «Markierungstool» eingesetzt werden, um die wichtigen, zu lernenden Textstellen hervorzuheben.
«Sans Forgetica» kann auf der Website der RMIT für Mac und PC heruntergeladen werden. Zusätzlich besteht eine Browser-Erweiterung für Chrome, mit der die entscheidenden Textstellen markiert und in «Sans Forgetica» konvertiert werden können.

 

 

Ich finde die Forschungsarbeiten mit dem Endprodukt «Sans Forgetica» ein interessantes Projekt, und das spezielle Erscheinungsbild der Schrift hat eine ganz eigene Ästhetik. Ich werde das Ganze bei meiner Weiterbildung zum Publisher Professional selber testen – ich bin gespannt!


Eines noch zum Schluss: Meiner Meinung nach ist das Aufschreiben der Lerninhalte in eigenen Worten (von Hand!) mit Abstand die beste Art, zu lernen. Eventuell ist sie nicht so schnell wie andere Lernformen, aber für mich am nachhaltigsten und letztlich wohl auch am effizientesten.

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