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Melanie Gerber
Art Direction
 
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10.10.2018

Kategorie: Design & Interactive


Variable Fonts – Yoga für Buchstaben

 

Ende August fand in Zürich die internationale «Frontend Conference» statt. Zwei Tage News und Inspiration aus der Tech- und Design-Sparte. Ein Vortrag hat mich besonders gefesselt: der Österreicher Oliver Schönfelder stellte die Technologie der variablen Fonts vor. Ein kleiner Einblick in diese bewegende Typo-Welt.

 

 

Was sind variable Fonts?

Variable Fonts sind eine Erweiterung des bekannten Open-Type-Fonts-Formates (OTF). Diese Erweiterung lässt zu, nicht nur auf die bestehenden Schnitte (regular, bold, italic) einer Schrift zurückzugreifen, sondern z.B. die Strichstärke der Schrift individuell zu steuern. Aber nicht nur die Strichstärke, auch die Zeichenbreite oder -neigung kann beeinflusst und nach Gusto justiert werden – dies natürlich mit entsprechenden Programmen. Zurzeit stehen noch nicht viele Schriften in diesem neuen Format zur Verfügung. Ich denke aber, dass künftig mehr dazukommen werden.

 

 

 

Wie verwende ich variable Fonts?

Mit einem weiteren Update der Adobe-CC-Programme kann ich die Funktion der variablen Fonts zum Beispiel direkt in Illustrator anwenden. Voraussetzung dafür ist, dass die Fonts entsprechend dafür konzipiert wurden. Mit dem Einsatz von Adobe Typekit erkenne ich diese tauglichen Schriften daran, dass sie nebst dem gewohnten «O» (für OTF) den Zusatz «VAR» bekommen. Sobald ich diesen Font auswähle, z.B. Acumin Variable Concept, bekomme ich beim Menü «Zeichen» einen zusätzliche Funktionsfläche (siehe Bild, roter Kreis). Mit einem Klick darauf öffnet sich ein Menü, in dem ich dann meinen Font beliebig steuern kann – und das in sehr feinen Abstufungen.

 

 Im Menüfenster «Zeichen» in Adobe Illustrator erscheint eine neue Funktionsfläche, sobald ein variabler Schriftschnitt ausgewählt wurde.

Im Menüfenster «Zeichen» in Adobe Illustrator erscheint eine neue Funktionsfläche, sobald ein variabler Schriftschnitt ausgewählt wurde.

 

 

Wo setze ich variable Fonts ein?

Okay, es grenzt schon an Spielerei mit diesen unzähligen Möglichkeiten, Schriften zu kombinieren ... Aber wenn ich an das Medium Web denke, sehe ich schon sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten. Zum Beispiel können Headlines auf eine effektvolle Art visualisiert werden. Im Printbereich sieht es schon wieder anders aus, dort kann ich natürlich keine bewegte SVG-Animation machen. Hier sehe ich aber Vorteile darin, dass ich Einfluss nehmen kann auf die Strichstärke. Denn je nach Bedruckstoff habe ich unterschiedliche Anforderungen an die Typografie und ihre Lesbarkeit.

 

Beispiele, wie einfach Strichstärke oder Zeichenbreite verändert werden können.

Beispiele, wie einfach Strichstärke oder Zeichenbreite verändert werden können.

Beispiele, wie einfach Strichstärke oder Zeichenbreite verändert werden können.

  Beispiele, wie einfach Strichstärke oder Zeichenbreite verändert werden können.

 

 

Kleiner Wermutstropfen

Variable Typografie tönt spannend, vielseitig und setzt der Kreativität fast kein Ende. Doch ein kleiner Wermutstropfen hat diese neue Font-Technologie dennoch. Wer eine Animation für eine Website plant, muss wissen, dass diese Technologie noch nicht für alle Browser spruchreif ist. Aber nichtsdestotrotz: Ausprobieren und sich an den Ergebnissen freuen lohnt sich alleweil.

Kommentare (1)
Vollmeier Martin schrieb am 18.10.2018Hallo Melanie Danke für den Blog zum Thema variable Fonts. Dazu meine Überlegungen: Adrian Frutiger und andere Schriftentwickler würden sich im Grab umdrehen! Neu ist ja die Sache nicht, Schriften können seit langem beliebig vergewaltigt werden. Aber die variablen Fonts laden geradezu ein, dies auch zu tun. Ich finde, dass ein professionelles Medienhaus nicht die Schrift als Tummelfeld für die Gestaltung anpreisen soll, sondern eben alles andere: Farben, Bilder, Grafiken, gute, freche Gestaltung. Schrift dient der Kommunikation. Sätze sollen ohne Stolpersteine ins Hirn rutschen und Verständigung ermöglichen . Ich ärgere mich oft, wenn die junge Kulturszene Publikationen verbreitet, die kaum mehr zu lesen sind – weil Schriften zur Unkenntlichkeit verzerrt werden. Insofern sind variable Fonts wohl eine unprofessionelle Geldmacherei von Programmierern, die sich kaum je über Grundsätze der schriftlichen Kommunikation Gedanken gemacht haben. Nüt für Ungut und liebe Grüsse, Martin


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