TwitterFacebookCallback


Armin Barmet
Kommunikationsspezialist
 
041 318 34 34
a.barmetbag.ch
Newsletter abonnieren

28.06.2017

Kategorie: Kommunikation


Wer schreibt denn heut′ noch Briefe?! – Hoffentlich Sie!

  

Von vorgestern, langweilig, direkter Weg ins Altpapier. Die Urteile sind gnadenlos. Offenbar hat der Brief seine besten Tage hinter sich, er gilt im Zeitalter von Kurznachrichtendiensten und Social Media vielen als Auslaufmodell. Ich bin mir sicher: zu Unrecht. Natürlich erfüllen Briefe nicht mehr die gleiche Funktion wie vor zehn, zwanzig Jahren. Aber sie haben einige Vorzüge, die sich clevere Unternehmen zunutze machen sollten.

 

 

 

 

 

Viele Klischees

 

Der Katalog an negativen Punkten ist lang und hier nicht mal abschliessend: Briefe seien veraltet und verstaubt, ein ungeeignetes Kommunikationsmittel, würden in der Kommunikationsflut untergehen, seien langsam und wenig erfolgversprechend. Es handelt sich bei diesen Bewertungen teils um Klischees, teils um Eigenschaften, die in bestimmten Zusammenhängen auch vorteilhaft sein können. Den Richtern würde ich Folgendes entgegnen:

 

a) Briefe sind veraltet und verstaubt. Grundsätzlich gilt: Was alt ist, ist nicht einfach out. Der gegenwärtige Retro-Trend beweist das. Ist in der Kommunikation etwas «ver»altet, erreiche ich mit dem Kommunikationsträger nicht mehr den Zweck meiner Kommunikation. Für den Brief ist das bei vielen Kommunikationsanlässen der Fall. Aber eben nicht bei allen, wie wir noch sehen werden.

 

b) Briefe sind ein ungeeignetes Kommunikationsmittel. Auf unpersönliche Massensendungen, Kurzmitteilungen oder Versände, auf die eine schnelle Antwort erwartet wird, trifft das sicher zu. Man sollte jedoch nicht alles über einen Leisten schlagen. In der Kommunikation machens der gute Mix und die gezielte Ansprache aus. Darum kann der Brief ein sinnvolles Element in einer crossmedialen Kampagne sein.

 

c) Briefe gehen in der Kommunikationsflut unter. Vermutlich ist eher das Gegenteil der Fall. Briefe werden, wenn ich persönlich angesprochen werde, je länger, je mehr zum sympathischen Farbtupfer in einer seelenlosen Kommunikation. Heute werden täglich Milliarden von E-Mails verschickt und Belanglosigkeiten auf WhatsApp & Co. ausgetauscht. Da kann auf diesem Kanal schon mal eine Nachricht verwaisen.

 

d) Briefe sind langsam. Richtig. Und das ist auch gut so. Für persönliche Kontakte ist Effizienz nicht das vordergründige Kriterium. Ausserdem hoffen viele Gestresste und Online-Überschüttete insgeheim auf Entschleunigung und Momente der Ruhe in der analogen Gegenwelt. Ein Brief kann da grad zum richtigen Zeitpunkt ankommen.

 

e) Briefe sind wenig erfolgversprechend. Studien und Erhebungen sprechen eine andere Sprache, wie wir gleich sehen.

 

 

Erhebungen stützen die positive Wirkung

 

Zahlreiche Studien bestätigen: Briefe haben im Kommunikationsmix sehr wohl eine Daseinsberechtigung. So wurde etwa ermittelt, dass Geschäftskunden Briefpost für seriöser und vertrauensvoller halten als Online-Versände («Studie zur Wirksamkeit von internationaler physischer Geschäftskorrespondenz» von Post und Asendia, 2016). Auf physischem Weg versandte persönliche Mailings werden in der Regel positiver aufgenommen als solche auf dem digitalen Weg (DIVSI-Studie, 2014) und der Rücklauf auf physische Mailings ist bedeutend grösser als auf digitale (DMA Response Rate Benchmark, 2015). Ausserdem: Physische Mailings finden nicht nur eine hohe Zustimmung, sie eignen sich auch hervorragend als Zutat für die crossmediale Kommunikation (WEMF-Befragung Direct Mail, 2014).

 

Natürlich ist abzusehen, dass der Online-Kanal seine Position kontinuierlich verbessert und immer mehr akzeptiert wird. Im Zeichen der digitalen Transformation, die gerade KMU immer mehr betrifft, ist das zu begrüssen. Das physische Mailing und damit auch der gedruckte Brief behalten aber ihre wichtige Rolle im Kommunikationsmix. Dafür sprechen auch die folgenden Argumente.

 

 

Briefe machen sich bezahlt …

 

… weil sie persönlich sind. Die Personalisierung, also die direkte und individuelle Ansprache, ist im Geschäftsbrief ein Muss. Briefe sollen persönliche Wertschätzung ausdrücken. Der Empfänger ist es wert, dass man sich Zeit für ihn nimmt.

 

… weil sie wertig sind. Als Absender kann ich das haptische Erlebnis massgeblich beeinflussen. Indem ich den Umschlag besonders schön gestalte, ein spezielles Papier oder Format wähle, Düfte oder Glanzeffekte einsetze usw.

 

… weil sie beständig sind. Persönliche und ästhetisch gestaltete Briefe bleiben in Erinnerung. Die oben zitierte WEMF-Befragung fand auch heraus, dass Botschaften, die über physische Mailings verbreitet werden, länger haften bleiben (vgl. Abb. 1).

 

 

 

Abb. 1: An physische Mailings können sich Konsumenten gut erinnern. (Quelle: WEMF-Befragung Direct Mail, 2014)

 

 

… weil sie greifbar sind. Allein schon die Tatsache, dass ich den Brief in den Händen halten kann, macht ihn verbindlicher, relevanter. Dann die Neugier und der Geschenk-Auspack-Effekt – der Drang, den Schatz umgehend öffnen zu müssen. Briefe erhalten, öffnen und lesen ist einfach eine feierliche Sache. Letzteres setzt natürlich voraus, dass auch dem Text grosses Gewicht beigemessen wird.

 

 

 

 

Fazit

 

Wann haben Sie den letzten Brief in Auftrag gegeben oder selber verfasst? Überlegen Sie sich, für welche Ziele in Ihrer Unternehmenskommunikation dieses Medium Sinn macht und – wenn gut umgesetzt – Wirkung erzielen kann. Und dann probieren Sie’s aus. Für Weihnachten, Ferienwünsche oder andere spezielle Anlässe darfs übrigens auch ein handgeschriebenes Exemplar sein. Dann bleiben Sie beim Empfänger garantiert in Erinnerung.

 

Kommentare (0)


Zur ÜbersichtMehr Artikel dieses AutorsMehr Artikel dieser Kategorie

Teilen Sie uns Ihre Meinung oder Anfrage mit


Gerne ergänzen wir unsere Beiträge mit Ihren Meinungen und Kommentaren.