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Melanie Gerber
Art Direction
 
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31.05.2017

Kategorie: Trends


Buchstaben: sexy wie nie zuvor

  

Sie umzingeln uns überall. Beim täglichen Zeitunglesen, in der Mode, auf der Strasse, im Möbelgeschäft oder sogar in der Suppe. Buchstaben sind allgegenwärtig und haben fast schon den Status eines Liebhaberobjektes erlangt. Doch woher kommen die Buchstaben eigentlich? Eine Entdeckungsreise von A bis Z.

 

 

A wie Anfang

 

Die Höhlenmalerei gilt als Vorstufe der Schrift. Mit einfachen Zeichnungen stellten die Höhlenmenschen Gegebenheiten und Gegenstände dar, um sich zu verständigen. Durch das Vereinfachen der Zeichnungen entwickelte sich die Bilderschrift. Dazu gehören die sumerische Keilschrift, die ägyptischen Hieroglyphen und die Chinesische Schrift. Diese sogenannten Schrift-Urschöpfungen gehen bis ins 3. oder 4. Jahrtausend vor unserer Zeit zurück. Man staune, wie viel Zeit seither vergangen ist …

 

 

Höhlenmalerei

 

Höhlenmalerei

Sumerische Keilschrift

 

Sumerische Keilschrift

Ägyptische Hieroglyphen gelten als Vorfahren unseres heutigen lateinischen Alphabets

 

Ägyptische Hieroglyphen gelten als Vorfahren unseres heutigen lateinischen Alphabets

 

 

Die phönizische Konsonantenschrift gilt als Vorläuferin der griechischen Alphabetschrift, in der erstmals Konsonanten und Vokale konsequent angewendet wurden. Die Ausbildung der griechischen Alphabetschrift ist der letzte elementare Schritt der Schriftentwicklung. In der Bedeutung der Zeichen hat sich grundsätzlich nichts mehr verändert. Die bedeutendste Veränderung besteht in der allmählichen Entwicklung von den Grossbuchstaben- zu den Kleinbuchstaben-Schriften. Bemerkenswert ist, dass wir gerade einmal mit 26 Buchstaben klarkommen. Die Japaner hingegen kennen rund 2000 Zeichen.

 

 

Phönizische Konsonantenschrift (etwa 800 v.u.Z.)

 

Phönizische Konsonantenschrift (etwa 800 v.u.Z.)

 

 

E wie Epochen

 

Nach dem Zeitalter der ursprünglichen Schriftformen folgten zahlreiche weitere Epochen mit Schrift-Juwelen. Diese möchte ich jedoch nicht im Detail erläutern, sondern mit Bildern visualisieren. Anhand dieser Galerie kann man die einzelnen Schrifttypen schön miteinander vergleichen. Ob eindeutig, schwungvoll oder kontrastreich – die Entwicklung der Schrift hat einiges zu bieten.

 

 

Römische Kapitalis, 1. Jahrhundert

 

Römische Kapitalis, 1. Jahrhundert

Minuskel Kursive, 3. Jahrhundert

 

Minuskel Kursive, 3. Jahrhundert

Kapitalis Rustika, 5. Jahrhundert

 

Kapitalis Rustika, 5. Jahrhundert

Angelsächsische Halbunziale, 8. Jahrhundert

 

Angelsächsische Halbunziale, 8. Jahrhundert

Westgotische Schrift Spanien, 10. Jahrhundert

 

Westgotische Schrift Spanien, 10. Jahrhundert

Rundgotisch, 15. Jahrhundert

 

Rundgotisch, 15. Jahrhundert

 

 

T wie Trend

 

Anhand des Exkurses in die Schriftgeschichte lässt sich der Trend zum Handlettering ableiten. Beim Handlettering geht es darum, Schriften selber zu zeichnen, zu verzieren, zu kombinieren und zu gestalten. Der Kreativität und den Kombinationen sind nahezu keine Grenzen gesetzt. Dabei beruhen die Gestaltungen aber immer auf den Grundformen der Buchstaben, die wir aus der Schriftgeschichte kennen. Man greift auch wieder zu Feder, Pinsel und anderem Schreibmaterial, um den einzelnen Buchstaben ihren einzigartigen Charakter zu verleihen. «Back to the roots!» ist angesagt.

 

 

Die Suchresultate bei Google mit dem Begriff «Handlettering» sind endlos inspirierend.

 

Die Suchresultate bei Google mit dem Begriff «Handlettering» sind endlos inspirierend.

 

 

Ü wie Übung macht den Meister

 

In der Euphorie eines Trends probiert man immer gerne selber aus. Doch Vorsicht vor Enttäuschungen. Handlettering bedeutet üben, üben, üben. Das heisst auch verschiedenes Schreibmaterial testen und Buchstaben Kombinationen auf viele Arten ausprobieren, abändern, wegwerfen und wieder von vorne anfangen. Dabei ist es natürlich auch erlaubt, einmal ein bestehendes Design nachzuzeichnen :-).

 

 

 

Z wie zum Schluss

 

Mit dem Trend zum Handlettering sind auch Buchstaben irgendwie wieder total sexy. Wir haben es nicht mit «einfachen», abgetippten Buchstaben zu tun, sondern mit Kreationen, die mit viel Charme gezeichnet wurden. Es entsteht eine schöne Verbindung zum Ursprung unserer Schriften – und doch sind sie sehr eigenständig. Für Titelgestaltungen und Eyecatchers ist es perfekt, Buchstaben zu inszenieren. Für Lesetexte eignet sich diese Form natürlich weniger. Darauf gehe ich in meinem nächsten Blogbeitrag ein.

Kommentare (2)
Hilbrand Christian schrieb am 07.06.2017Ein Artikel, der ernsthaften Layoutern richtig gut tut. Schade nur, dass darin zwischen E (Epochen) und T (Trend) die ganze Bandbreite der Renaissance- und Barock-Schriften fehlt. Denn dort schiessen die heutigen Designer die gröbsten Böcke - und verraten damit ihr fehlendes Fundament für eine lesergerechte Typografie. Aber vielleicht hat Melanie Gerber dieses Typo-Epochen ja schon als Thema für ihren nächsten Post vorgesehen...
Bucheli Erwin schrieb am 26.06.2017Spannend :)


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