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Armin Barmet
Kommunikationsspezialist
 
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28.03.2018

Kategorie: Kommunikation


Texte kürzen nach System

  

Als Verfasserin oder Verfasser kennen Sie die Situation vielleicht: Sie erhalten für den Text, den Sie zu schreiben haben, eine exakte Längenvorgabe. Noch wahrscheinlicher ist meist die zweite Vermutung – das gelieferte Ergebnis ist zu lang. Statt nun ein unkoordiniertes Streichkonzert zu veranstalten, orientieren Sie sich besser an nachvollziehbaren Kriterien, um Ihren Text zu kürzen. Ich stelle Ihnen hier vier wichtige vor.

 

 

 

Texte kürzen zu müssen, gehört für viele zum beruflichen Alltag. Von der Zeichenvorgabe als Ursache habe ich schon gesprochen. Wie ein Damoklesschwert schwebt sie manchmal über unseren Köpfen, wenn wir Berichte, journalistische Texte, einen Brief oder einen Tweet verfassen. Texte zu straffen, ist aber oft eine geeignete Massnahme. Der Webtexter und die Werbefachfrau wissen, dass auf den Punkt Gebrachtes eher beachtet wird als ausführliches Gerede. Und die Sprachexperten sind sich einig, dass lange, verschachtelte Sätze den Lesefluss stören. Dass man ab und an kürzen sollte, ist also unbestritten. Aber wie? Ich gebe es zu, es ist auch eine Sache des Bauchgefühls. Trotzdem arbeite ich gerne nach folgenden vier Streichkriterien.

 

 

 

Inhaltliche und sprachliche Wiederholungen

 

Was sich in Texten inhaltlich wiederholt, ist höchst verdächtig. Nur in wenigen Fällen sprechen wir von förderlicher Redundanz, also von Wiederholungen, die sinnvoll und gewollt in einen Text einfliessen. In wissenschaftlichen Texten oder Projektberichten etwa wird verlangt, dass wichtige Fragen, Sachverhalte und Befunde nicht nur im Haupttext, sondern auch im vorangestellten Management Summary, in einleitenden Passagen oder im Fazit am Schluss des Textes thematisiert werden. Alltägliche Texte hingegen leben nicht von mehrmals Aufgetischtem. Hier setze ich bei Wiederholungen den Rotstift an.

 

Eine Spezialform der inhaltlichen Wiederholung ist der Pleonasmus, nach Duden eine «Häufung sinnähnlicher oder sinngleicher Wörter». Wikipedia spricht gar von «Wortreichtum ohne Informationsgewinn». Eine direkte Einladung, den «umliegenden Nachbarländern», dem «genau fokussieren» und dem «bereits schon» an den Kragen zu gehen. (Böse Zungen behaupten, auch «langsame Berner» sei ein Pleonasmus, aber das ist ein anderes Thema und gehörte hier gestrichen.)

 

Sprachliche Wiederholungen lassen sich in Texten natürlich nicht vermeiden. Gemeint sind bei diesem Streichkriterium Wörter, die im gleichen oder folgenden Satz wiederholt werden und problemlos gestrichen oder durch Pronomen ersetzt werden können.

 

 

Details und unnötige Erläuterungen

 

Alles, was für das Verständnis eines Textes nicht relevant ist, darf beim Kürzen hinterfragt werden. Dazu gehören detailreiche Beschreibungen, endlose Aufzählungen, eröffnete Nebenschauplätze. Natürlich darf ich hier nicht einfach mit dem Bulldozer über das Geschriebene fahren, denn manchmal kann ein Einschub einen Text auch verbessern. Ich würde den Text zwar auch ohne ihn verstehen, aber mit ihm wird er einladender. Wo in Texten aber klargemacht wird, was eh schon offensichtlich ist, greife ich ein.

 

 

Füllwörter und nutzlose Attribute

 

Wörter wie «eigentlich», «sozusagen», «auch» oder «natürlich» sind Kandidaten für ersatzloses Weglassen. Sie haben meist keinen oder nur geringen Aussagewert und blähen Texte unnötig auf.

 

Ähnliches trifft auf Adjektive und andere Beifügungen zu. Diese sind vielleicht nicht ohne Aussagewert, aber für die nähere Umschreibung eines Begriffs unwichtig oder missverständlich. Lese ich in einem Satz von «spannenden und schönen Entscheiden», sind das subjektive Einschätzungen. Ich frage mich, was ich mir darunter vorstellen muss, und interpretiere vermutlich anders als der Verfasser, weil ich mit «spannend» und «schön» andere Bezüge verbinde. Aber vorsichtig: Nicht alle Attribute gehören in diese Kategorie. Schreibt der Autor von «weitreichenden Entscheiden», hat das Adjektiv für mich einen Mehrwert. Ich erfahre, dass die Beschlüsse langfristiger Natur sind und wirken werden.

 

 

Umschreibungen und Substantivierungen

 

Warum kompliziert formulieren, wenns auch einfach geht? Diese Frage steht über dem letzten Streichkriterium. Schaffen wir es nicht, präzise Begriffe für unsere Textaussagen zu finden, beginnen wir zu umschreiben. Wir switchen auf ausschweifende Konstruktionen mit Substantiven, obwohl ein treffendes Verb geeigneter wäre und den Satz strafft. Oder wir kleiden einen Sachverhalt aus, für den es eine schlankere Formulierung gäbe. «Wir führen diese Aufgaben einer Lösung zu» ist ein klassisches Beispiel einer Umschreibung. «Wir lösen diese Aufgabe» ist hier vorzuziehen. Und «Er warf ihr den Ball zu und sie warf ihm den Ball zurück» wird zu «Sie warfen sich gegenseitig den Ball zu».

 

 

 

Fazit

 

Ich habe Ihnen vier Streichkriterien vorgestellt. Sie können diese aber genauso als Prüfsteine auffassen, um Ihre Texte stilistisch zu verbessern. Wenn Sie sich noch intensiver in die Kunst des Redigierens einarbeiten möchten, empfehle ich Ihnen meine Blogbeiträge über das Hamburger Verständlichkeitskonzept: Wie es Ihnen gelingt, Texte verständlich zu schreiben und Wie Verständlichkeitskiller die Lust am Lesen austreiben.

 

Und falls Sie auch noch einen originellen Pleonasmus kennen, der nicht unter die Gürtellinie geht, freue ich mich auf Ihre Zuschrift!

 

Kommentare (2)
Aschwanden Carol schrieb am 04.04.2018Ausgezeichneter Blog, sehr gut in der Praxis anwendbar.
Wissmiller Andreas schrieb am 15.04.2018Danke für den Blog, sehr nützlich. Bei Aktiv statt Passiv kann ich auch einige Wörter sparen ...

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