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Martin Hegglin
Bereichsleiter Marketing und Verkauf
 
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24.01.2018

Kategorie: Trends


Ein Jahr als Mobilitätspionier – und jetzt?

  

Mein Jahr als SBB-Green-Class-Mobilitätspionier neigt sich dem Ende entgegen. Zeit, Bilanz zu ziehen und in die Zukunft zu schauen. Und sich die Frage zu stellen: Zahlt sich das Konzept aus?

 

 

Zur Erinnerung

 

Mit SBB Green Class habe ich die freie Wahl der Mobilität. Ein 1.-Klass-GA steht mir ebenso zur Verfügung wie ein vollelektrischer BMW i3. Ergänzt wird das Paket mit einer Mobility- und einer Publibike-Mitgliedschaft sowie anderen kleinen Nettigkeiten. Ich kann also situativ und kurzfristig entscheiden, welche Transportart für mich am zweckmässigsten ist.

 

 

Die Überraschung

 

Ich war öfter mit dem Zug unterwegs als mit dem Auto. Nachdem ich zu Beginn verschiedene Verbindungen von meinem Wohnort Opfikon nach Kriens ausgetestet hatte, kristallisierte sich ein klarer Favorit heraus: vom Flughafen mit der S24 nach Zug, umsteigen und mit dem IR70 nach Luzern. Von hier mit dem Velo nach Kriens. Dauer: rund 30 Min länger als die normale Fahrzeit mit dem Auto.

 

 

Planung ist alles

 

Der Elektro-BMW ist für mittlere Distanzen ein tolle Alternative. Schnell hatte ich mich an die neue Freude am Fahren gewöhnt. Komfortabel von A nach B. Aber nur, wenn B nicht zu weit von A liegt oder in B eine Ladeinfrastruktur zur Verfügung steht. Die Reichweite des BMW erwies sich als grösste Herausforderung bei der Planung. Im Winter liegt sie deutlich unter 200 km, im Sommer geht’s gegen 240 km.

 

 

Stressfrei unterwegs

 

Obwohl der Arbeitsweg mit dem Zug länger dauert, bietet er eindeutig den höheren Komfort. Die antizyklische Bewegung Zürich – Luzern – Zürich bietet stets genügend Platz und Privatsphäre, um in Ruhe arbeiten zu können. Die Zeit lässt sich effizient nutzen. Und bis auf wenige Ausnahmen waren die SBB sehr zuverlässig.

 

 

Das braucht gute Nerven


Staus, Unfälle auf Strasse und Schiene, Zugsausfälle und Verspätungen – beide Reisevarianten bergen Risiken. Unfälle mit Rückstau und grösserem Zeitverlust haben mich dieses Jahr zwar weniger Nerven gekostet als früher. Dennoch: Wenn ich drinstand, kam der Gedanke hoch: Hätte ich doch den Zug genommen. Und wenn ich auf dem Bahnsteig die Ansage von Verspätungen oder Ausfällen zur Kenntnis nehmen musste, bereute ich es, nicht im BMW zu sitzen. Meist lag ich aber richtig und war pünktlich am Zielort. Wenn es nicht passte, war ich im Zug doch einiges gelassener.

 

 

(Fast) überall unter Strom

 

Das Netz mit Ladestationen wird immer dichter. Im Verlaufe dieses Jahres sind diverse neue Ladestationen installiert worden. Entlang der Autobahn habe ich nun in beide Richtungen zwei Möglichkeiten, Strom nachzuladen. Auch die Mall of Switzerland und andere Einkaufszentren bieten diverse Ladesäulen zur Nutzung an. Oft wurde ich aber auch überrascht, dass keine Ladeinfrastruktur vorhanden war (z.B. bei Restaurants oder Hotels) oder die Säulen besetzt, ausser Betrieb oder nur unter spezifischen Voraussetzungen nutzbar waren.

 

 

Die nackten Zahlen

 

Dank verschiedenen Tracking-Apps kann ich heute – natürlich mit einer gewissen Unschärfe behaftet – mein Bewegungsverhalten analysieren. Für 2017 ergeben sich folgende Werte (inkl. Freizeit und Ferien):

 

  • Schritte > 2 Mio.
  • Velo > 1200 km
  • Bahn +/–17’500 km
  • Strasse: +/–23’000 km, davon mehr als 14’000 km elektrisch

 

 

Fazit

 

Das Jahr als Green-Class-Pionier war eine sehr gute Erfahrung. Es macht sehr viel Sinn, die verschiedenen Mobilitätsformen zu kombinieren und die Strecken zwischen zwei Stadtzentren mit dem ÖV zu absolvieren. Wer fit ist – oder es werden will –, hat dann in diversen Städten die Möglichkeit, auf Mietvelos ins Aussenquartier zu pedalen. Die Infrastruktur für vollelektronische Autos hingegen ist noch zu wenig ausgebaut, als dass man sorgen- und planlos unterwegs sein kann. Hier wird es in den kommenden Jahren noch grosse Anstrengungen brauchen, damit das Konzept auch auf längere Strecken alltagstauglich wird.

 

Ich freue mich sehr, dass das Projekt um ein weiteres Jahr verlängert wurde und ich auch im 2018 nicht auf die gewonnene Flexibilität und das Plus an Work-Life-Balance verzichten muss.

Kommentare (2)
Steinmann Walter schrieb am 24.01.2018Mein Fazit als Pionier ist etwa dasselbe: es war spannend, ich habe mich besser kennengelernt und ich bin wohl definitiv Fan von E-mobilität. 2019 werden verschiedenste neue vollelektrische Autos auf den Markt kommen, welche stärkere Batterien und damit eine grössere Reichweite haben.
Vollmeier Martin schrieb am 29.01.2018Hallo Namensvetter Ich habe mit Interesse deinen "Jahresbericht" gelesen. Super, dass Brunner dieses Experiment unterstützt und dass du als Obermobilist dich darauf eingelassen hast. Es wäre für mich das Grösste, wenn Brunner mit allen 70 Mitarbeitenden einen Denkprozess bezüglich Mobilitätsverhalten beim Arbeitsweg in Gang setzen würde. Mit einbegriffen wäre natürlich auch die Frage, ob die Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsort wirklich so gottgewollt ist. Denn hier schlummert das grösste Energiesparpotenzial: die Lebensbereiche näher zusammenrücken und damit Resourcen zu schonen und die Lebensqualität zu erhöhen. Ich bin durch meine Wahl von Wohn- und Arbeitsort mit 12 Minuten Weg jährlich 2800 km Velo gefahren und habe 500 Stunden freie Zeit gewonnen im Vergleich mit MA, die 30 Minuten Arbeitsweg zu bewältigen hatten. Ich brauchte keinen Rappen für auswärtiges Mittagessen und war als Partner und Vater 500 Stunden präsenter. Ist doch auch ein guter "Jahresbericht"? Weiter so, lieber Martin. Und nachträglich viel Glück im 2018! Martin Vollmeier

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