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Sandra Barmettler
Web- & Mediapublisherin
 
041 318 34 56
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27.04.2016

Kategorie: Design & Interactive


Die Person als Hauptmotiv

 

Auf die Schnelle muss noch ein Porträt der neuen Mitarbeiterin oder des neuen Mitarbeiters erstellt werden. Für den Gang zu einem professionellen Fotografen fehlt dann jedoch die Zeit oder das Budget. Auch wenn die Kamera oft nicht das Gelbe vom Ei ist: Es gilt selber Hand anzulegen. Hier meine Tipps, wie auch ohne viel Hightech ein gutes Porträt entstehen kann.

 

 

 

Kurze Tipp-Übersicht

 

 

  • Berücksichtigen Sie die Porträtwirkung
  • Beachten Sie die Umgebung
  • Beziehen Sie die Hände mit ein
  • Provozieren Sie Emotionen
  • Achten Sie auf den Glanz in den Augen
  • Stellen Sie die Schärfe auf das Auge
  • Entfernen Sie störende Elemente und Objekte
  • Legen Sie Wert auf die Kopfhaltung
  • Lassen Sie in Blickrichtung des Porträtierten mehr Platz
  • Beachten Sie Licht und Schatten

 

 

 

Eine Lichtquelle von der Seite sorgt für mehr Dramatik.

 

 

Die Auseinandersetzung mit der Person

 

Vor dem Fotografieren stelle ich mir jeweils folgende Fragen:

  • Wie soll das Porträt wirken? Welche Stimmung soll vermittelt werden?
  • Welche Umgebung passt zur Person?
  • Für welche Ausgabekanäle (Print, Website, Video usw.) wird das Porträt verwendet?
  • Hat es im Hintergrund oder in der Umgebung störenden Krimskrams, den ich entfernen kann?

 

Ein neutrales Foto versuche ich nach Möglichkeit auf Augenhöhe zu fotografieren. Bei meiner Grösse von 1,56 m ist das leider nicht immer möglich. Daher nehme ich entweder eine Leiter zu Hilfe oder versuche natürliche Erhebungen wie etwa Steine zu nutzen. Wenn ich die Person dominant erscheinen lassen will, fotografiere ich eher von unten. Achtung! Direkt von unten fotografieren ist ein No-Go, da die wenigsten ein Blick in die Nasenlöcher des Porträtierten interessiert und ganz bestimmt nicht zu dessen Vorteil gereicht. Sollte die abgebildete Person einen eher zurückhaltenden Eindruck erwecken, fotografiere ich etwas von oben herab oder lasse das Modell in die Knie gehen.

 

Ernst oder lustig?

Dazwischen gibt es Hunderte von Abstufungen: verschmitztes Lächeln, skeptischer Blick, erstaunte «Oha»-Pose mit beiden Händen an den Wangen, verträumter Blick in die Ferne usw. Es lohnt sich, dem Modell verschiedene Mimiken und Posen zu entlocken und Gefühle zu provozieren. So erhalte ich viele emotionale Schnappschüsse und unter Umständen kommt so ein fantastisches Porträt zustande, welches bei einfachem «Hinstehen und Lächeln» nie gelingen würde.

 

Ein nervöses oder verspanntes Modell wird mit etwas «Gesichtsgymnastik» entspannt. Ich fordere mein Modell zum Beispiel dazu auf, mir die Zunge rauszustrecken, eine Grimasse zu schneiden oder die Backen aufzublasen. Auch übertriebenes Grinsen kann schnell zu einer entspannteren Atmosphäre und schliesslich zu natürlich wirkenden Porträts führen.

 

 

    Skeptischer, verstörender Blick. Beim Zeigen dieser Aufnahme musste mein Modell automatisch lachen und vergass bei den folgenden Fotos das aufgesetzte Lächeln.

 

 

 

 Wenn hier auch etwas übertrieben, kann ein solcher Gesichtsausdruck ein gutes Mittel sein, um bestimmte Botschaften zu transportieren.

 

 

 

 

Störende Elemente im Hintergrund, die zu einer optischen Täuschung führen können, sollten nach Möglichkeit entfernt werden. Die Kerze hier im Hintergrund könnte zum Beispiel als kitschiger Haarschmuck interpretiert werden.

 

 

Hände und Kopfhaltung

 

Hände sagen meist viel über eine Person aus oder können eine bestimmte Pose unterstützen. Ausserdem kann es dem Modell Halt geben, die Hände aktiv ins Porträt miteinzubeziehen. Eine Denkerpose mit Daumen und Zeigefinger, die das Kinn leicht berühren, akzentuiert den gewünschten Ausdruck oft viel mehr als der Gesichtsausdruck alleine. Verschränkte Arme vor der Brust vermitteln ein Gefühl von Selbstsicherheit oder eine Bestimmtheit, die dann auch im Porträt zu spüren ist.

 

Es ist oft nur eine kleine Bewegung des Kopfes in eine Richtung nötig, um den idealen Winkel und damit die «Schokoladenseite» des Porträts zu finden. Ich muss mir die Zeit auch nehmen, dem Modell zu sagen, wie es seinen Kopf drehen soll: «etwas mehr nach rechts», «noch ein wenig mehr», «Stopp – pefekt!». Dabei achte ich darauf, in Blickrichtung des Modells mehr Platz zu lassen. Durch die leichte Drehung des Kopfs in Richtung einer Lichtquelle kommt auch der Augenglanz besser zur Geltung. Ich meine, dass Glanz in den Augen das Porträt lebendiger und wirkungsvoller macht.

 

 

 

Ratschläge zur Porträtfotografie

 

Zoomen bei Porträtaufnahmen geht für mich gar nicht! Beim Zoomen verliere ich wertvolle Schärfe und Details. Es ist ja nicht so, dass ich dem Modell die Linse ins Auge drücken muss, aber aus der Ferne kriege ich ohne supertolle Teleobjektive ganz bestimmt keine guten Portärtaufnahmen. Darum gilt für mich die Regel: immer nahe an das Modell herangehen.

 

Bei grellem Sonnenschein stelle ich das Modell in den Schatten. Direktes Sonnenlicht von vorne oder von oben ist meistens ungeeignet. Vor allem das direkte Sonnenlicht von oben wirft bei den Augen sehr harte Schatten, die unter suboptimalen Umständen zu «Totenkopfaugen» führen. Es ist daher ratsam, eine Porträtaufnahme in der Mittagssonne zu vermeiden. Für zusätzliche Stimmung eignet sich die Morgen- oder Abendsonne.

 

 

Das Modell ist für ein Porträt zu weit weg. Für ein Porträt kann diese Aufnahme definitiv nicht verwendet werden.

 

 

 

Wenn man näher an das Modell herangeht, erkennt man auch mehr.

 

 

 

 Noch näher ans Modell heranzugehen, wirkt noch einmal interssanter und persönlicher.

 

 

Schlussgedanke

 

«Nicht die Kamera macht das Bild, sondern der Fotograf.» (Autor unbekannt)

 

Diese Tipps gehen hauptsächlich auf empathische Aspekte ein und vernachlässigen technische Faktoren wie Brennweite, Belichtung, Kamera, Auflösung usw. Mir ist bewusst, dass Fotografie immer auch Geschmackssache ist. Für mich persönlich ist die Porträtfotografie überaus spannend. Sie bedeutet eine gezielte Auseinandersetzung mit einer Person. Dabei bin ich gefordert, das Modell zu leiten, zu führen und Hilfe zu leisten, da die Person sich selber schlecht sehen kann. Mir persönlich ist es wichtig, mit dem Modell zu reden, so dass es mich als Mensch wahrnimmt und die kalte, leblose Linse der Kamera leichter ignorieren kann. Dabei hilft es mir, diese Tipps immer im Hinterkopf zu haben, da in der Hitze des Gefechts und beim richtigen Einstellen der Kamera schnell vergessen gehen kann, dass hinter dem zu fotografierenden Objekt ein Mensch steht.

 

Fotos © Sandra Barmettler

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